4. Februar 2016 - Trolli

Die Mutter – Kind – Bindung und ihre Bedeutung im Umgangsverfahren

Kinder mit einer sicheren Bindung sind in ihrer sozialen Orientierung stärker.

Es ist kein Geheimnis mehr, dass Kinder bestimmte Entwicklungsschritte in ihrem Leben durchlaufen. Die Mutter-Kind-Bindung spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Im Zuge der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung, verliert dieses Wissen, am Familiengericht, immer mehr an Bedeutung.

Seit die Stellung der Frau als „Mutter“ in der Gesellschaft in ihrer Wertung gravierenden Veränderungen unterworfen ist, werden immer mehr Kleinkinder zum Spielball von Interessen, die nicht im Kindeswohl liegen. Wuchsen viele Kinder nach einer Trennung wie selbstverständlich bei ihrer Mutter auf, so werden heute immer Urteile am Familiengericht gefällt, die die Mutter-Kind-Bindung belasten, oder sogar zerstören.

Ist es bei manchen Vätern einfach Unwissenheit über die Mutter-Kind-Bindung, so gibt es Väter, die mit Hilfe des Umgangsrechts die Kindesmutter auf Paarebene, gängeln wollen. Dabei steht das Wohl des Kindes nicht im Vordergrund.

Das Recht auf beide Eltern, nutzen diese Vätern dazu, die Bindung des Kindes zur betreuenden Mutter zu torpedieren. Das Kind dient in diesen Fällen als Instrument für Rachegefühle und Machtmissbrauch.

Dies ist aus entwicklungspsychologischer Sicht des Kindes fatal.

Ein Vater, dem man die Entwicklungsschritte von Kleinkindern erklärt, kann sich auf eine entsprechende Umgangsregelung einstellen.

Erkennt das Gericht und die Beteiligten diese Problematik nicht, wird die Mutter-Kind-Bindung durch eine unsensible Umgangsregelung in den ersten wichtigen, prägenden Jahren, gestört.

Gerade bei kleinen Kindern ist eine sichere Mutter-Kind-Bindung wichtig um das Kind vor Spätschäden zu bewahren.

Beziehungserfahrungen hinterlassen „genetische Abdrücke“ Traumatische Erfahrungen im Kleinkindalter können und körperliche und seelische Schädigungen im Erwachsenenalter zur Folge haben. Zu diesem Ergebnis kommt u.a.der Neurobiologe und Psychotherapeut Joachim Bauer.

Kleine Kinder haben noch kein Zeitgefühl und erleben auch kurze Trennungen von der Mutter, als bedrohliche Situation.

Oft wird der Reifestand des Kindes bei der Umgangsregelung nicht berücksichtigt. Das ein Kleinkind sich für wenige Stunden von der Mutter lösen kann zeugt von einer guten Bindung. Jedoch darf dieses Verhalten nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Entwicklungsstand je nach Alter des Kindes, Trennungen über Stunden oder Tage nicht zulässt, ohne dass das seelische Wohl des Kindes gefährdet ist.

Immer wieder machen Eltern die Erfahrung das sich das Kind bei der Übergabe zum Vater nicht von der Kindesmutter lösen möchte. Es weint und wehrt sich oft heftig. Die Weigerung des Kindes und das Weinen ist nicht zwangsläufig in einem Fehlverhalten der Kindesmutter zu begründen. Meist befindet sich das Kind in einer der kritischen Entwicklungsphasen.

Der Wunsch aller Beteiligten, die Kindesmutter möge dem Kind bei der Übergabe zum Vater gut zureden, ist nicht von Erfolg gekrönt wenn sich das Kind gerade in einer dieser kritischen Entwicklungsphasen befindet.

Je nach Alter des Kindes liegt das Weinen des Kindes, bei Trennungen von der Mutter, in seiner Altersentwicklungsstufe begründet.

Bis zum Ende des dritten Lebensjahres besteht zwischen Mutter und Kind eine besonders enge symbiotische Bindung. Dies ist von der Natur so gewollt und macht auch Sinn.

Versucht man das genetische Überlebensmodell von Kleinkindern umzuprogrammieren kann dies nur scheitern. In der Evolution ist ein Vater, der die Kindesmutter mit Hilfe des Familiengerichtes „bestrafen“ will, oder ein Verfahrensbeistand der seinen Fall schnell abgeschlossen haben möchte, nicht vorgesehen.

Ein kleines Kind versteht nicht warum es sich von der Mutter lösen soll.

Befindet sich das Kind z.b. in der „Fremdelphase“ kann man es meist nur mit Mühe zu einem anderen Menschen geben. Es wird mit Weinen und Abwehr reagieren. Diese Phase tritt ca. im achten Monat auf. Mann nennt dies auch die Acht-Monats-Angst.

Im ersten Lebensjahr entwickelt sich das so wichtige Urvertrauen des Kindes. Dies beinhaltet, dass das Kind sich bei der Mutter sicher fühlt und keine Trennungsängste durchleben muss. Dazu gehört, dass es sich sicher sein kann, das die Mutter wieder kommt sobald sie kurz das Zimmer verlässt.

Wenn man dieses Wissen berücksichtigt, kann man nachvollziehen, das es für ein Kleinkind eine Seelenqual ist von der Mutter länger getrennt zu sein.

Erst im dritten Lebensjahr, bis hin ins Grundschulalter entwickelt sich beim Kind Empathie. Diese ist nötig, damit das Kind fähig ist sich beruhigen zu lassen, wenn es von der Mutter getrennt wird.

Das die Mutter ihrem Kind versichert, sie komme nach einer Trennung bald wieder, kann das Kind in diesem Entwicklungszeitraum, je nach Entwicklungsstand, noch nicht begreifen.

Das Kind ist nicht fähig der Mutter dies zu glauben. Seine Hirnrinde ist dazu nicht ausgereift. Das Kind kann also nicht glauben das die Mutter bald wieder kommt. Es muss aus seiner Verlustangst heraus weinen.

Fälschlicherweise deuten die meisten Beteiligten am Familiengericht dies als fehlende Kooperation der Kindesmutter.

Ein Kind kann, je nach Entwicklungsphase, nicht bewusst steuern und kontrollieren ob es Wutausbrüche bekommt wenn man seinen Willen nicht respektiert oder ihn die Gefühle übermannen. Dies ist die kritische Entwicklungsphase, die auch Autonomiephase genannt wird. Sie dauert vom zweiten bis zum ca.vierten Lebensjahr an.

Finden Umgangsübergaben an den Vater in den kritischen Entwicklungsphasen statt, kommt es häufig zu dramatischen Szenen.

Das Kind weint und wehrt sich heftig dagegen mit dem Vater mit zu gehen.

In dieser Situation wird der Kindesmutter oft eine fehlende Mitwirkungspflicht vorgeworfen. Die Kindesmutter hat angeblich kein Interesse das Kind zu beruhigen.

Der Kindesmutter ist jedoch in den kritischen Entwicklungsphasen ihres Kindes gar nicht möglich ihr Kind zu überzeugen mit dem Vater mit zu gehen.

Verfahrensbeistände, Gutachter, Umgangsbegleiter, und Jugendamitarbeiter machen es sich in diesem Fall oft einfach und geben dem Gericht den Ratschlag, gegen die Kindesmutter hart durch zu greifen. Notfalls mit Sanktionen gegen die Mutter mittels Ordnungsgeld.

Um zu einer schnellen Umgangsregelung zu kommen, wird oft empfohlen das Kind häufiger zum Vater zu geben damit Ruhe einkehrt.

So kommen häufig groteske Situationen zustande. Mütter wenden sich an Freunde, Bekannte oder die Öffentlichkeit, um Spenden für das drohende Ordnungsgeld zu sammeln. Selbst auf Haftantritte müssen sich manche Mütter vorbereiten.

Die Tendenz geht immer mehr dazu hin, das Kind in den Haushalt des Vaters zu geben. Probleme bei der Kindesübergabe, wie oben beschrieben, dienen dabei als Begründung für nachfolgende Sorgerechtsentzüge für die Mütter.

Das Totschlagargument ,,das Kind muss zur Ruhe kommen“ weil die Übergaben nicht funktionieren, ist mittlerweile in Mode gekommen.

Ein nach Trennung von der Mutter ruhiger gewordenes Kleinkind ist nicht „zur Ruhe gekommen.“ es hat lediglich das Notprogramm hochgefahren um sich emotional zu schützen. Dazu zieht es sich in sich zurück und wirkt angepasst. Es kann auch ins Gegenteil tendieren und zu Wutausbrüchen neigen.

Die Realität zeigt, das ein Sorgerechtsentzug und die damit verbundene Umgangseinschränkung oder Umgangsausschluss mit der entmündigten Mutter in den seltensten Fällen zu einer Beruhigung der Situation beiträgt. Oft werden die Kinder verhaltensauffällig als Reaktion auf die Trennung von der Kindesmutter.

Es ist dem Kindeswohl nicht dienlich eine Entscheidung über Umgangsverkürzung oder Ausschluss der Kindesmutter zu treffen, ohne das Entwicklungsstadium des Kindes zu berücksichtigen.

Es ist zwingend notwendig sich mit den Entwicklungsschritten von Kindern zu beschäftigen wenn es um Umgangsfragen geht.

Eine Pauschalbeurteilung zu Lasten der Kindesmutter ist kontraproduktiv und schadet dem Kind.

Gerade auch wenn es um Übernachtungen geht, ist es wichtig den psychischen und sozialen Entwicklungsstand des Kindes zu kennen. Im Zweifelsfall auch mittels geeigneter Tests.

Das ein Kleinkind Trennungsängste durchlebt wenn die Kindesmutter nicht greifbar ist zeigt ein Beispiel das viele kennen.

Das Lieblingsstofftier des Kindes ist ein beliebter Anker für Kinder um ihre Verlustängste zu kompensieren. In der Fachsprache nennt man dies den transistorischen Gegenstand. Wenn er verloren geht ist es für das Kind ein Drama und es ist schwer zu beruhigen.

Es gibt Väter, die nehmen ihrem Kind diesen Gegenstand beim Besuchswochenende weg oder waschen ihn weil sie den Geruch der Mutter beseitigen wollen.

Damit solche Machtkämpfe nicht auf Kosten des Kleinkindes gehen, sollte man die Entwicklungsphase des Kindes berücksichtigen und keine Umgangseinschränkungen zwischen Mutter und Kind verhängen.

Gerade für Kleinkinder, die dem Vater zugesprochen wurden, ist ein beständiger Kontakt zu ihrer Mutter wichtig.

Die gern beschlossene Regelung eines Zwei-Wochen-Rythmus ist für Kleinkinder viel zu lang.

Soll vor dem Familiengericht eine Umgangsregelung getroffen werden, die dem Kindeswohl entspricht, so wird klar, dass eine Umgangsregelung kein „Wunschkonzert“ für Väter ist.

Was tun, wenn sich ein Kind bei der Übergabe nicht von der Kindesmutter trennen möchte?

Geduld ist gefragt. Vom Vater und von den Beteiligten am Familiengericht.

Ist es der Kindesmutter möglich ihrem Kind das nötige Urvertrauen zu schenken, kann sie sich entspannt auf Besuchssituationen des Vaters einlassen. Dies kommt dem Kind zugute.

Literaturquellen:

(1) Quelle: Harmut Karsten. 0-3 Jahre, Entwicklungspsychologie, Grundlagen. Cornelsen Verlag, 4. überarbeitete Auflage 2013.

Rene A. Spitz unter Mitarbeit von W. Godfrey Cobliner, Vom Säugling zum Kleinkind. Naturgeschichte der Mutter-Kind-Beziehungen im ersten Lebensjahr. Klett Verlag, vierte Auflage 1974

Werner Wicki, Entwicklungspsychologie, UTB Basics, Ernst Reinhardt-Verlag München, 2010

Umgangsrecht Bindung / Erziehung / Familiengericht / Gericht / Jugendamt / Mütter / Richter / Sorgerecht / VErfahrensbeistand /

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