13. März 2016 - Trolli

Spitze bist du als Elternteil erst, wenn du ein Mann bist.

Nun wissen wir es ganz genau. Männer, die ihren Frauen den Rücken freihalten, während sich diese in der Arbeitswelt behaupten, sind Spitze.

Prof.Dr. Ulrike Detmers ist die Initiatorin des Mestemacher Preis: Spitzenvater des Jahres, der am 11.März 2016 in Berlin zwei Vätern verliehen wurde. Jeweils 5000 Euro bekamen zwei Väter weil sie ihren Frauen ermöglichten, trotz gemeinsamer Kinder, arbeiten zu gehen.

Die Voraussetzungen diesen Preis zu erhalten, sind so banal, dass man glauben könnte, Frau Detmers sieht Väter nicht als gestandene Männer, sondern als kleine Jungen, die dem Matrosenanzug nicht entwachsen sind.

Der kleine „Michael“ hat etwas ganz toll gemacht und nun bekommt er von Frau Detmers ein Caramelbonbon. „Fein gemacht, kleiner Michael.“

Für eine Selbstverständlichkeit, die Frauen seit Ewigkeiten ihren Männern ermöglichen, werden nun Väter zu „Spitzenvätern“ gekürt. Den Preis für „Spitzenmütter“ suche ich vergeblich. Evtl. liegt es daran, dass neidlose Anerkennung für Mütter nicht mehr en vouge ist. Zu sehr klebt der Mutterrolle anscheinend ein Negativ-Image vergangener Zeiten an.

Warum spreche ich über diesen Artikel? Bin ich neidisch? Bin ich von vorgestern? Nein!

Ich war schon immer dafür Kinder zu loben, wenn sie etwas besonders gut gemacht haben. Sicher ist auch eine Belohnung in Form von materiellen Dingen hier und da einmal angebracht.

Das nun aber erwachsene Männer für Selbstverständlichkeiten gelobt und mit Geldpreisen überschüttet werden, löst in mir Unverständnis aus.

Wieso muss man erwachsene Männer zu „Spitzenvätern“ küren? Was ist mit den Millionen „Spitzenmüttern“ die ihren Männern jahrelang den Rücken freigehalten haben, mit dem Ergebnis, dass sie am Ende ihrer Kindererziehungzeiten mit einer Rente unterhalb der Armutsgrenze abgespeist werden?

Nein, ich bin nicht neidisch. Ich würde keinem Kind ein Lob neiden und auch den Männern neide ich nichts.

Mich schockiert vielmehr das unterschiedliche Selbstverständnis, mit denen Frauen und Männer in der Kindererziehung und Arbeitswelt von manchen Menschen bewertet werden.

Es ist anstrengend wenn Männer nicht erwachsen werden. Wenn man ihnen für jeden normalen Handschlag im Haushalt einen Orden verleihen muss. Viele Mütter stöhnen im stillen:,, Mein Mann ist mein zweites Kind.“ Sie müssen ihm den Bauch pinseln, wenn er sie kurz mit den Kindern entlastet.

So wie man bei Kindern falsche Signale setzt, wenn sie ständig eine Belohnung bekommen weil sie ihre Pflichten erledigen, so falsch ist es meiner Meinung nach, erwachsene Väter zu „Spitzenvätern“ zu erklären. Zumindest so lange dies einseitig praktiziert wird und Mütter leer ausgehen.

Ja, ich bin genervt, wenn die Gerechtigkeit Urlaub macht. Wenn einer Gruppe, hier den Männern, der Bauch gepinselt wird und die andere Gruppe, hier die Mütter, bei gleicher Leistung in die Röhre schauen.

Rund wäre die Sache gewesen, wenn je ein Mann und eine Frau, stellvertretend für alle anderen Mütter und Väter, je einen Titel für Fairness in der Partnerschaft bekommen hätten. Wenn man denn unbedingt sein Geld unter die Leute bringen möchte.

Es scheint mir so, als wollen die Juroren ihre kleinen Kinder, die nun Väter sind, nicht ins Erwachsenenleben entlassen. Mich wundert es auch, dass sich ein erwachsener Mann für so ein „Kasperltheater“ her gibt. Was der Beweggrund der „Nicht-Spitzenmütter“ war, ihren Mann öffentlich zum „Spitzenvater“ küren zu lassen bleibt ihr Geheimnis.

Die Antwort auf die Nominierung zum „Spitzenvater“ hätte auch lauten können: ,,Ich brauche keinen Titel, für etwas das selbstverständlich ist.“

Autorin: Andrea Hinkel

 

 

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